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Aufklärungsbogen Kastration (Download als PDF)

Ziel und Zweck der Hengstkastration ist die Ausschaltung der Befruchtungsfähigkeit und des sogenannten Hengstverhaltens. Bei der chirurgischen Kastration wird das erste Ziel (Ausschaltung der Befruchtungsfähigkeit) sicher durch die vollständige Entfernung beider Hoden und Nebenhoden erreicht. Dagegen gelingt das Abstellen des spezifischen Paarungsverhaltens gerade bei Althengsten nicht immer (erlerntes Hengstverhalten).

Von der Kastration ist die Sterilisation abzugrenzen, die lediglich den Transport der Spermien nach außen unterbindet, wobei die hormonelle Funktion der Hoden jedoch voll erhalten bleibt (ein beim Pferd äußerst seltener sinnvoller Eingriff).

Obwohl es sich bei der chirurgischen Hengstkastration nicht um einen Eingriff im Sinne einer Heilbehandlung handelt, erfüllt er bei sachgerechter Durchführung gemäß den verschiedenen im Folgenden aufgezählten Methoden jeweils den Anforderungen § 6 Abs. 5 des Tierschutzgesetzes, da es sich um ein in der Pferdemedizin anerkanntes Operationsverfahren handelt. Diese unterscheiden sich jedoch hinsichtlich des Operationsaufwandes und der damit entstehenden Kosten, aber auch hinsichtlich ihrer möglichen Komplikationsrisiken.

Die grundsätzlichen Unterschiede bestehen darin, ob die Kastration

  • am liegenden, narkotisierten Pferd oder am sedierten, stehenden Pferd unter Lokalbetäubung vorgenommen wird;
  • mit bedecktem Hoden/Samenstrang oder unbedeckt ausgeführt wird;
  • mit ligiertem Samenstrang (abgebunden) ausgeführt wird;
  • mit Ligatur oder Naht des Scheidenhautfortsatzes nach Absetzen der Hoden und Nebenhoden den Wiederverschluss der Bauchhöhle gewährleistet;
  • mit durch Naht verschlossener Hautwunde beendet wird oder diese offen bleibt.

Die anerkannt sicherste Methode ist die Operation in Vollnarkose unter aseptischen Bedingungen, die es erlaubt, durch die Ligatur des Samenstrangs und Ligatur oder Naht des Scheidenhautfortsatzes das Risiko von Nachblutungen und postoperativen Darmvorfällen fast vollständig auszuschließen und durch den abschließenden Verschluss der Hautwunde eine primäre Wundheilung zu verwirklichen. Die Nachteile dieser Methode liegen im Narkoserisiko und den höheren Kosten.

Die gängigste und günstigste Methode, gerade bei Jungpferden, bis zu drei Jahren ist die Stehendkastration. Sie wird in der überwiegenden Zahl der Fälle als unbedeckte Kastration durchgeführt, bei der lediglich eine Quetschung des Samestranges ohne dessen Ligatur stattfindet. Dies birgt das Risiko von Nachblutungen und die Gefahr von Darm- und Netzvorfällen. Auch die Hautwunde bleibt offen, so dass die Wunde nicht mehr steril ist und sekundär abheilen muss.

Dazwischen sind die unterschiedlichsten Varianten möglich.

Sie werden über die bevorzugte und geplante Operationsmethode genau aufgeklärt und deren Vor- und Nachteile gegenüber den anderen Methoden werden erläutert. Erst dann sollten sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt entscheiden, welcher Methode Sie für Ihr Pferd den Vorzug geben.

Vor Beginn der Operation wird Ihr Pferd allgemein untersucht (u.a. Untersuchung des Herz – Kreislaufsystems und der Atemwege, Anfertigung eines Blutbildes etc.) ob es sich in einem für die Operation und eventuell Narkose ungestörten Gesundheitszustand befindet. Darüber hinaus wird kontrolliert, ob sich beiden Hoden im Hodensack befinden. Ist dies nicht der Fall, dann liegt möglicherweise ein sogenannter Kryptorchismus vor. Eine Kastration ist nur dann in Vollnarkose möglich und deutlich aufwendiger und risikobehafteter als bei einem normalen Hengst.

Ihr Kastrationsauftrag verpflichtet den operierenden Tierarzt zur vollständigen Entfernung beider Hoden und Nebenhoden.
Auch bei sorgfältigem Vorgehen sind jedoch neben den bereits vorgenannten methoden-spezifischen Komplikationen zum Beispiel Wundinfektionen bis hin zur Ausbildung sogenannter Samenstrangfisteln möglich.

Sie werden weitere Verhaltensmaßregeln für die erste Zeit nach der Operation bekommen, die allerdings je nach Operationsmethode unterschiedlich sind. Diese Hinweise sollten die Kontrolle des Operationsgebietes auf Blutungen, Vorfälle, Schwellungen und auch allgemeine Kontrollen (z. B. Fieber messen) umfassen. Auch Anweisungen bezüglich Fütterung und Bewegung des Pferdes in den Tagen nach der Kastration werden gegeben.

 

                                                                                                                                  
Ort, Datum                                                                 Unterschrift des Tierarztes

 

 

Durch meine Unterschrift erkläre ich, dass ich alles Gelesene verstanden habe und weitere Fragen von meinem Tierarzt umfassend beantwortet sind.

 

                                                                                                                                  
Ort, Datum                                                     Unterschrift Besitzer/Bevollmächtigten