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Bekannte Narkoserisiken beim Pferd

Jede Vollnarkose ist mit Risiken verbunden. Das Narkoserisiko bei Pferden ist allerdings höher als in der Humanmedizin. In der Literatur finden sich Angaben, nach denen das Risiko für einen tödlichen Zwischenfall während der Narkose oder in der darauf folgenden Zeit mit allen Folgekomplikationen etwa 0,9% beträgt.

Neben Narkosezwischenfällen wie einem Atemstillstand, Blutdruckabfall oder Herzstillstand sind bei Pferden sowohl die Narkoseeinleitung als auch die Aufstehphase nach der Narkose mit einer Verletzungsgefahr verbunden. Trotz moderner Narkoseverfahren (Intubationsnarkose mit möglicher künstlicher Beatmung), aparatives Monitoring (EKG, Pulsoxymetrie, Kapnograph, Blutdruck, Blutgase etc.) modern abgestimmter Medikamentengaben und einer weitgehenden Optimierung der Aufwachphase (gepolsterte Aufwachbox, Kopfschutz etc.) können im ungünstigsten Fall schwere Verletzungen und Knochenbrüche entstehen, die das Einschläfern der Pferde unumgänglich machen.

Bei schweren Pferderassen kann es in den seltensten Fällen bei Narkosen in Rückenlage eine Hämatomyelie (Einblutung in das Rückenmark) stattfinden. Diese Hämatomyelie ist zwar relativ selten, kann aber in ihrer schlimmsten Form zu einer unheilbaren Querschnittslähmung der betroffenen Pferde führen.

Neben den unmittelbaren Narkoserisiken müssen weitere Komplikationen erwähnt werden:

Pferde, die einer Stresssituation ausgesetzt waren (z.B. schmerzhafte Erkrankungen, Transporte, Stallwechsel, Trennung von Stute und Fohlen, Narkose), können im Einzelfall eine lebensbedrohliche, mit Durchfall einhergehende Dickdarmentzündung entwickeln (Colitis X). Diese Durchfallerkrankung tritt typischerweise am 2.-3. Tag nach der Stresssituation auf. Auch bei sehr frühzeitiger Erkennung und Behandlung ist die Colitis X nicht in jedem Fall heilbar.

Nach weiten Transporten, bei Pferden, die eine unbemerkte Virusinfektion der Atemwege durchmachen, können sich lebensbedrohliche Lungenentzündungen entwickeln („Shipping Fever“ oder „Transportpneumonie“).

Um jegliches Risiko zu minimieren wird vor jeder Vollnarkose selbstverständlich eine sorgfältige klinische Untersuchung auf Narkosefähigkeit des Pferdes durchgeführt. Zusätzlich wird ein großes Blutbild angefertigt um eventuelle Veränderungen einzelner Organe frühzeitig zu erkennen.

Vor jeder Operation wird zusätzlich auf die mit der Operation verbundenen speziellen Risiken hingewiesen.